Gelb, rot, kein Plan
In Island sind Primärfarben keine ästhetische Entscheidung: sie sind Teil der Landschaft. Die Häuser in Reykjavík sind rot, blau, grün, gelb. Die Fischerboote im Grandi-Hafen haben Rümpfe in Farben gestrichen, die von weitem sichtbar sind, wenn der Himmel grau ist — was fast immer so ist. Es gibt keine Tradition des Abstimmens oder Koordinierens: es gibt eine Tradition, das zu tragen, was man mag, und es sichtbar zu machen.
Aleks Pullover passt in diese Logik. Horizontale Streifen aus leuchtendem Gelb, Weiß und Rot. Das ist kein Pullover, den man wählt, weil er zur Weste passt — eigentlich passt er zu nichts besonders. Es ist ein Pullover, den man wählt, weil man diese Farben mag und in Island niemand fragt, warum man bei acht Grad und Seitenwind draußen etwas so Auffälliges trägt.
Was sich herausstellt, dass niemand geplant hat, ist dass genau diese Farben die Farben des Papageitaucher-Schnabels in der Brutzeit sind. Zwischen Mai und August ist der Schnabel des Papageitauchers mit leuchtend bunten Keratinplatten bedeckt — Orange, Gelb, Blaugrau — die ihn zu einem der erkennbarsten visuellen Signale im Nordatlantik machen. Wenn die Saison endet, fallen die Platten ab. Der Winterschnabel ist kleiner, grau, kaum wiederzuerkennen. Dasselbe Tier sieht wie ein anderes aus.







