6:30 Uhr jeden Morgen
Aminah weckt Nur um halb sieben. Immer gleich: die Hand auf der Stirn, Flüstern, kein Licht. Nur braucht zehn Minuten, um sich aufzusetzen. Um halb sieben gehört die Welt noch nicht ihm, aber Aminah ist schon in der Küche.
Um sieben steht auf dem Tisch, was immer dort steht: Kaya-Toast und Teh-Tarik. Kaya-Toast ist weiches Brot mit Kokos-Pandan-Marmelade, in Dreiecke geschnitten, die Aminah gegen den Tellerrand lehnt, damit sie von unten nicht weich werden. Teh-Tarik ist Tee mit Kondensmilch, sehr süß, zunächst sehr heiß. Nur fasst ihn nicht an, bis er den Becher mit beiden Händen umschließen kann, ohne sich zu verbrennen. Das ist sein Thermometer: Wenn er ihn halten kann, kann er ihn trinken.
Er isst wenig. Er isst langsam. Wirklich langsam. Nur ist ein Kind, das Essen riecht, bevor es es probiert, den Kopf schief legt und es manchmal ohne erkennbaren Grund ablehnt. Aber der Grund existiert: nichts Knusprig-Hartes, nichts Scharfes, nichts mit rauer Textur oder das zwischen den Zähnen hängen bleibt. Süße und milde Aromen. Kaya-Toast kommt durch, weil er weich, süß und warm ist. Teh-Tarik kommt durch, weil er flüssig und gezuckert ist. Tau-Huay, Mee-Siam mit wenig Schärfe, reife Banane. Aminah hat gelernt, dass es keine Launen sind: Es ist ein Filter, den Nur auf alles anwendet, was in seinen Mund kommt. Wenn er etwas probiert und mag, wiederholt er es jeden Tag ohne Abweichung. Wenn er es beim ersten Mal nicht mag, gibt es keine zweite Chance.







