Das Ohr
Im Klimatechnik-Milieu von Maskat nennen sie ihn „das Ohr". Eines Tages sah ein Kollege, wie er ein Kältemittelleck in einer Klimaanlage erkannte, bevor das Manometer es anzeigte. Er neigte den Kopf, schloss zwei Sekunden lang die Augen. „Der Kompressor vibriert bei 52 Hertz. Es sollten 50 sein. In zwei Wochen fällt er aus." Der Kunde glaubte ihm nicht. Zwei Wochen später rief er an.
Der arabische Rotfuchs hat proportional größere Ohren als jede andere Unterart des Rotfuchses. Der Hauptgrund ist Thermoregulation — Blutgefäße, die Wärme durch die Ohrmuschel abführen, eine biologische Lösung für das Problem, dort zu leben, wo der Boden brennt. Aber der Nebeneffekt ist ein Gehör, das Beute unter dem Sand allein am Klang ihrer Bewegungen orten kann. Bei Faiz ist es so etwas Ähnliches mit Kompressoren. Wo andere Techniker Manometer und Messgeräte brauchen, braucht er zwei Sekunden mit geschlossenen Augen. Das ist keine Intuition — er hört Frequenzen, die das durchschnittliche Gehör nicht unterscheidet.
Dieses Gehör erschöpft ihn auch. Anhaltender künstlicher Lärm — Autoalarme, elektrisches Brummen alter Transformatoren, laute Musik aus den Souq-Läden — erzeugt eine Erschöpfung ohne klinischen Namen, die er aber in den Schläfen und hinter den Augen spürt. Die Kapuze des Hoodies unter seiner Jacke ist sein Notfall-Schalldämpfer: er zieht sie über seine Ohren, wenn er die Welt zum Leiser werden bringen muss. Sie riecht nach R-410A-Kältemittel und Datteln. Vor allem nach Datteln.







