Gelbgrün über Naturgrün
Die Jacke ist das Erste, was man sieht. Gelbgrün — Chartreuse, um genau zu sein — über dem natürlichen Grün des Körpers der Gottesanbeterin. Sie ist synthetisch, sportlich, Reißverschluss ein Drittel offen. Bruno trägt sie zu den Konzerten, zum Einkaufen auf dem Markt in Noailles, um in der tunesischen Bar unter seinem Haus Minztee zu trinken, ohne bestellt zu haben, weil der Besitzer schon weiß, was er nimmt.
Das Gelbgrün über einer Gottesanbeterin erzeugt einen besonderen Effekt. Das Grün des Körpers ist organisch, variabel, mit Nuancen, die sich je nach Licht verändern. Das Grün der Jacke ist flach, synthetisch, elektrisch. Ein Kontrast, der genau deshalb funktioniert, weil das Porträt exakt davon handelt: die Grenze zwischen dem Natürlichen und dem Gewählten, zwischen dem, was Bruno ist, und dem, was Bruno sich entscheidet zu sein. Die beiden Grüntöne zu vergleichen ähnelt dem Vergleich des Klangs eines leeren Raums mit dem eines vollen — dieselbe Grundnote, andere Nachhallzeit.
Darunter ein schlichtes weißes Baumwoll-T-Shirt mit Rundhalsausschnitt. Keine Marke, kein Aufdruck, keine Geschichte. Das Kleidungsstück, das mit nichts konkurriert. Bruno braucht das: einen neutralen Hintergrund, auf dem alles andere funktionieren kann.







