Karten an der Wand, Einigungen auf dem Tisch
Im Mediationsraum des Rathauses von Ambalavao hängen drei Katasterkarten an der Rückwand. Die größte deckt den Stadtumring und die landwirtschaftlichen Parzellen ab, die sich bis zu den Granitkuppen im Süden erstrecken. Die anderen beiden sind Vergrößerungen von Konfliktzonen: ein bewässerter Streifen, wo drei Familien Wasserrotationen streiten, und ein Weidestreifen nahe der Grenzen der Réserve d'Anja, der je nach Befragtem den Eigentümer wechselt.
Wesley hat sie dort in seinem ersten Monat auf der Stelle aufgehängt. Davor waren die Karten in Röhren in einem Metallschrank gerollt, den niemand öffnete, weil das Schloss verrostet war. Wesley bat den Tischler vom Markt um drei leichte Holzrahmen, bezahlte sie aus eigener Tasche und hängte die Karten in einer Höhe auf, bei der jeder am Mediationstisch sitzende mit dem Finger zeigen konnte, ohne aufzustehen. Das änderte die Treffen. Statt aus der Erinnerung zu streiten — „die Linie war immer weiter oben", „mein Großvater hat hier sein ganzes Leben lang angebaut" — konnten die Parteien gleichzeitig dasselbe Dokument betrachten. Die Karte löst den Konflikt nicht, aber sie ebnet das Gespräch.







