Punkt für Punkt
Das erste Buch öffnete sie mit acht Jahren. Koko Mapula, ihre Großmutter — Schneiderin in einem Dorf zwischen Polokwane und Mokopane — sah die Ränder ihrer Schulhefte voller Linien und Wiederholungen. Eine Lehrerin nannte es obsessives Gekritzel. Koko nannte es Muster, kaufte ihr ein eigenes Heft dafür und sagte ihr, sie solle weitermachen. Dieses Heft existiert noch. Es steht in einem Regal im Atelier in Maboneng, neben dreizehn anderen.
Vierzehn Bücher. Vierzehn Jahre Muster.
Was darin ist, sind keine Tattoo-Skizzen — oder nicht nur. Es sind Systeme. Geometrische Muster, die von einem zentralen Punkt wachsen, sich verzweigen, sich verkomplizieren und sich auflösen. Manche füllen ganze Seiten mit Tausenden von Punkten, einer nach dem anderen, kein durchgehender Strich. Dotwork, bevor sie wusste, dass Dotwork existiert. Die ersten Seiten haben unregelmäßige, getrennte, unbeholfene Punkte. Die letzten Seiten haben die Dichte und Präzision von jemandem, der die Hälfte seines Lebens damit verbracht hat, seine Hand darauf zu trainieren, nicht zu zittern.







