Der Makohai
Mit einundzwanzig hatte Lowanna bereits drei Jahre als festangestellte Rettungsschwimmerin bei Surf Life Saving SA hinter sich. Sie kannte die Strömungen auswendig, las das Wasser besser als die meisten Erwachsenen in Port Lincoln und hatte mehr Menschen herausgezogen, als sie an einer Hand abzählen konnte. Aber was etwas in ihr aufbrach, war weder ein schwieriger Rettungseinsatz noch ein Sturm, der Ausrüstung wegspülte. Es war ein juveniler Makohai, anderthalb Meter lang, tot, im Stahlkabel einer Drum Line verheddert — entdeckt bei einer Morgenpatrouille.
Aus der Ferne sah es wie treibender Müll aus. Aus der Nähe war es ein Körper, der dort nicht hätte sein sollen. Ein Mako — schnell, sauber, elegant — der nichts mit den Weißhai-Sichtungen dieser Saison zu tun hatte. Die Drum Line unterscheidet nicht zwischen Arten. Sie fängt, was hindurchschwimmt.
Lowanna löste ihn allein. Das Protokoll sagt: erst melden, auf das Team warten, mit Zeugen dokumentieren. Sie meldete es nicht. Sie maß ihn, fotografierte ihn mit ihrem privaten Handy, füllte den Feldbericht aus und deckte den Körper mit einer Plane ab, bevor jemand ankam. Sie weinte nicht. Sie erhob die Stimme nicht. Der Rest des Tages sah aus wie jeder andere. Zumindest schien es so.







