Sechzigtausend Hektar
Der Pisgah National Forest erstreckt sich über sechzigtausend Hektar gemäßigten Wald, zwanzig Autominuten von West Asheville entfernt. Liam kennt die Wanderwege auswendig: Looking Glass Rock, Bent Creek, Pink Beds. Er geht Zutaten suchen mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der jemand anderes in den Supermarkt geht. Wildhonig, wenn die Saison es erlaubt. Fichtenrinde zum Experimentieren. Sassafraswurzel, die einen unverwechselbaren Geruch und einen Geschmack hat, der nichts erinnert, was man verpackt kaufen kann.
Der amerikanische Schwarzbär ist ein opportunistischer Allesfresser. Siebzig bis achtzig Prozent seiner Nahrung in der Wildnis sind pflanzliche Kost: Früchte, Wurzeln, Triebe, Rinde, Beeren. Bei Liam übersetzt sich das in etwas sehr Konkretes: er isst alles, probiert alles, kombiniert ohne Vorurteile. Wenn etwas übrig bleibt, verwandelt es sich in etwas anderes. Essen wird nicht weggeworfen. Diese Regel hat er nicht in einem Nachhaltigkeitskurs gelernt. Er hat sie gelernt, indem er seiner Mutter zusah, die Doppelschichten in einem Rasthaus arbeitete, wo nichts verschwendet wurde, weil kein Spielraum dafür war.







