Zwanzig Meter entfernt
In der Nähe der Wetterstation Eureka auf Ellesmere Island überprüfte Benjamin eine Kamerafalle, als ein Polarwolf zwanzig Meter entfernt auftauchte. Weiß. Reglos. Die Wölfe von Ellesmere wurden nie gejagt: Sie fliehen nicht vor Menschen, greifen nicht an, sie sind einfach da. Der Biologe David Mech verbrachte Teile von vierundzwanzig Sommern damit, neben einem Rudel sechshundert Meilen vom Nordpol zu leben; die Welpen banden ihm die Schnürsenkel auf, während er Notizen machte.
Der Wolf schaute Benjamin an, neigte den Kopf und lief weiter. Benjamin setzte sich in den Schnee und blieb eine Weile. Dann nahm er eine Sprachnachricht für seine Freundin, die Pilotin in Iqaluit, auf: „Habe einen Wolf gesehen. Habe ihn nicht erschreckt." Sechs Wörter. Was ziemlich gut beschreibt, wie Benjamin mit allem kommuniziert: kurze Sätze, funktional, ohne Schmuck. Genauso wie seine Stationsberichte: Daten, Gerätezustand, was repariert werden muss.
Diese Stille — ein frontales Tier, keine Abwehrgeste, das dich anschaut wie jemanden, der keine Gefahr darstellt — ist das, was das Porträt einfangen will. Eine Begegnung ohne Anspannung. Die Wölfe von Ellesmere haben Tausende von Jahren damit verbracht, nicht vor Menschen zu fliehen, weil niemand ihnen dazu Anlass gegeben hat. Benjamin ist eines der Porträts der [Animal-Kinhood-Objekte](https://www.yagopartal.com/de/objects/) Kollektion.







